Schulsanitäter auf dem Siegertreppchen beim Schulsanitätstag

Sie betreten eine dunkle, kalte Lagerhalle; nur wenig Licht dringt in die beängstigende Dunkelheit. Im Zwielicht kauert auf dem Boden eine erschreckend bleiche Gestalt, die mehr tot als lebendig wirkt. An ihrem blassen Hals sind zwei blutig-rote Wundmale zu erkennen. Jeder normale Mensch würde angesichts der düsteren Szenerie panisch das Weite suchen, aber das Schulsanitätsteam des IKG eilt mit professionellem Schritt auf die Verletzte zu, spricht sie an, klärt ab, was passiert sein könnte (“eventuell ein Tierbiss“), versorgt die Wunde und setzt einen Notruf ab.

Dies war keine Szene aus einem Teenage-Horrorschocker, die im fernen Transsilvanien spielt, sondern eine gestellte Erste-Hilfe-Szene auf dem Schulsanitätstag im münsterländischen Nottuln am vergangenen Wochenende, das unter dem Motto „Musicals“ stattgefunden hat und von „Tanz der Vampire“ inspiriert war.

23 Schulsanitätsteams aus ganz NRW sind am Samstag gegeneinander angetreten, um neben Allgemeinwissen zum „Roten Kreuz“ und zum Thema „Musicals“, vor allem sechs „Erste Hilfe-Einheiten“ zu meistern. Bei diesen Erste-Hilfe-Einheiten hatten sich die Darsteller stark vom Thema leiten lassen. So wurden Kratzer im Gesichts, wie sie bei „Cats“ vorkommen könnten ebenso behandelt wie Verätzungen, die daher rührten, dass, wie es bei „Wicked- die Hexen von Oz“ möglich wäre, ein Kessel mit einem geheimnisvollen Trank umgekippt war. Wie die täuschend echt geschminkten „Patienten“ versorgt wurden, wurde von Rote-Kreuz-Ausbildern bewertet, die nach den Spielszenen, bei denen echte Verbände angelegt werden mussten, direkt mit den Schulsanitätsdienst ihre Einsätze reflektierten. Dem Team des IKG wurde an allen Stationen eine hohe Professionalität und Sachkenntnis bescheinigt.

Neben den sechs reinen Erste-Hilfe-Leistung wurden auch der Teamzusammenhalt, die Sportlichkeit und die Kreativität der Gruppe auf die Probe gestellt. Die Teams mussten sich nach ihrem Lieblingsmusicals verkleiden. Das IKG hatte sich für eine Mischung aus „Cats“ und „Rocky“ entschieden. So rührte die vorgetragene „Karaoke-Cats-Performance“ in improvisierten Kostümen auf der Rückbank eines Rote-Kreuz-Bullis den Bewerter beinahe zu Tränen. Nachdem die Mannschaften einem langen Tag, der nur von einem kurzen Mittagessen unterbrochen war, endlich die 12 Aufgaben absolviert hatten, zogen sich die Bewerter zurück, um die Punkte zusammenzurechnen. Von Müdigkeit war bei den Schulsanitätern allerdings keine Spur. Im Saal fand eine große Party statt, auf der bis zur Siegerehrung gegen 17 Uhr getanzt und abgefeiert wurde. Auch hier schonte sich das IKG nicht. Die gute Stimmung ist nicht zuletzt dem Roten Kreuz in Dortmund zu verdanken, das für die musikalische Untermalung des Tages sorgte. Auch die hervorragende Verpflegung ist dem Team zu verdanken. Dann kam die Siegerehrung, es wurde mit den hinteren Platzierungen begonnen. Schnell war klar, dass das IKG ganz oben dabei war. Schließlich fehlten am Ende nur wenige Punkte auf das Josef-Albers-Gymnasium in Bottrop (Platz 2) und das Geschwister-Scholl-Gymnasium aus Winterberg (Platz 1). Jubelnd nahm das Schulsanitätsteam des IKG den Pokal für einen hervorragenden dritten Platz entgegen. Und im nächsten Jahr wollen die SchülerInnen wieder dabei sein und Winterberg seine Führung streitig machen.

Die Vampirszene, von der eingangs berichtet wurde hat übrigens noch für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Für die IKG-Schulsanitäter war aus professioneller Sicht, die Halswunde schnell versorgt und kein großer Anlass zu Sorge, zumal auch der Blutdruck „des Opfers“ normal war. Warum man die Patientin wegen des hohen Blutverlustes nicht in Schocklage gebracht habe, wollten die Prüfer später wissen. Nunja, man ging davon aus, dass es nicht wirklich Vampire gebe und insofern auch niemand der Patientin das Blut ausgesaugt habe und so sei wegen des Blutverlustes keine Schocklage notwendig gewesen. Dieser Argumentation mit der Nichtexistenz von Vampiren mussten die Prüfer anerkennen, was auch ganz gut ist, damit nicht in Zukunft auch Holzpflock und Knoblauch in der Notfalltasche mitgeführt werden müssen, wenn die Schulsanitäter wieder täglich ihren Dienst am IKG verrichten.


Björn Husmann (betreuender Lehrer des Schulsanitätsdientes am IKG)



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